Ist das noch unabhängig? Grünen-Politiker kommentiert
in der ARD …
und freut sich in den „Tagesthemen“ über teure Energie
Wie unabhängig können Journalisten
berichten, die Parteiämter ausüben?
Detlef Flintz (64) ist seit Oktober
2021 Grünen-Mitglied, seit Juni 2022 Teil des Grünen-Vorstands im Stadtverband
Grevenbroich – und gleichzeitig Wirtschaftsjournalist beim WDR. In dieser
Funktion kommentiert er regelmäßig in den „Tagesthemen“.
Brisant: Dass Flintz Grünen-Politiker
ist, wird von der ARD nicht transparent gemacht – obwohl möglicherweise
Interessenkonflikte zwischen seiner Arbeit als Journalist und der als Politiker
bestehen.
Denn die Meinungen, die er zur besten
Sendezeit in den „Tagesthemen“-Kommentaren vertritt, sind auffällig nah an der
Grünen-Parteilinie!
Jubel
über Teuer-Energie zur besten Sendezeit
Einige Beispiele:
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„Er ist da, der Preisschock. Gut so! Denn nur
wenn Öl und Gas spürbar teurer werden, kriegen wir die
Erderwärmung in den Griff“, kommentierte Flintz im Oktober 2021
die gestiegenen Energiepreise.
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Am 2. August,
also schon als Vorstandsmitglied der Grünen Grevenbroich, kommentierte in den
„Tagesthemen“ zur Atomkraft: „Heraus aus der Energieklemme? Das wird nur
funktionieren, wenn wir uns ändern und dafür brauchen wir Druck. Sonst suchen
wir wie immer den bequemen Ausweg, wie jetzt die längeren Laufzeiten der
Atomkraftwerke. Sie wären einfach das falsche Signal an uns.“
Flintz kommentiert regelmäßig so, dass
es seine Parteifreunde wohl unterschreiben würden.
Im „Preisschock“-Kommentar (Oktober
2021) sagte er weiter: „Mehr Windenergie und Solarenergie? So lange können wir
nicht warten und sollten dankbar sein, dass wir gezwungen werden, Konsum und
Produktion zu ändern.“
Billige Energie? Will er nicht. Es
sollte keine Diskussion darüber geben, „wie wir – ähnlich wie Junkies – wieder
an billigere fossile Rohstoffe kommen, sondern lasst uns klären, wie wir klug
davon wegkommen.“
Der Grünen-Politiker forderte
außerdem, dass „die Reichen ein bisschen ärmer werden und die Armen ein
bisschen reicher“ werden – „etwa durch ein ordentlich ausgestattetes
Grundeinkommen.“
Auffällig: Die Forderung nach einem
Grundeinkommen steht seit 2020 im Grundsatzprogramm der Grünen.
Die Grünen NRW teilten auf
BILD-Anfrage mit: „Wir möchten betonen, dass jeder die Möglichkeit hat, sich in
seiner Freizeit auch in einer Partei zu engagieren. Detlef Flintz hat dabei
stets seine Mitarbeit in der Partei von Beruflichem getrennt.“
Parteiamt
und „Tagesthemen“-Kommentator: Darf man das überhaupt?
Fakt ist: Dass Journalisten Mitglieder in
Parteien sind, kommt zwar immer wieder vor. Dass sie Parteiämter ausüben, ist
aber außergewöhnlich.
In den Richtlinien des Presserats ist
unter Ziffer sechs festgehalten: „Journalisten und Verleger üben keine
Tätigkeiten aus, die die Glaubwürdigkeit der Presse in Frage stellen könnten.“
Weiter heißt es in der Richtlinie: „Übt ein Journalist oder Verleger neben
seiner publizistischen Tätigkeit eine Funktion (...) aus, müssen alle
Beteiligten auf strikte Trennung dieser Funktionen achten.“
Ob das im Fall von Flintz geschehen
ist? Mindestens fraglich. Eine BILD-Anfrage ließen ARD und WDR zunächst
unbeantwortet.
BILD