Mittwoch, 30. November 2022

30.11.2022 - Hässliche Sozis-Politik

Hässliche Sozis-Politik

Heilbronn war noch nie eine schöne Stadt gewesen - weder im 19. und dem letzten 20. Jahrhundert - oder zuvor.

Was aber seit 1945 so in Heilbronn gebaut wurde, das war so sehr, sehr sehr hässlich, dazu dumm und grausam böse - dass man hunderte oder tausende Kilometer fahren muss, um eine noch hässlichere Stadt in Deutschland zu finden.

Schuld?

Die Sozis mit ihrer politischen Mehrheit seit 1945 geplant und gebaut haben, Haus nach Gebäude, jedes hässlicher als andere.

Vor allem die sogenannten Hochhäuser in Heilbronn - Shoppinghaus, Wollhaus, etc.

Aber besonders hässlich wurde das neue Stadttheater gebaut - das Heilbronner Jugendstil-Theater von 1913 wurde einfach - von Sozi-Bürgermeister und ihre Mehrheit - weggesprengt.

Der Schriftsteller Ödön von Horváth hat in den zwanziger Jahren in seinen Theaterstücke die hässliche und böse und dumme Politik der Sozialdemokraten beschrieben - eine Politik, die notwendigerweise dann bei den Nationalsozialisten endet …

Wie auch die Sozi-Politik während der Kaiserzeit im ersten Weltkrieg endete - die Sozis hatten im Reichstag die Kriegskredite 1914 billigten (und kurz zuvor waren siese Sozis in Friedensdemonstranten gegen den Krieg marschierten)…

Oder - die Sozis unterschrieben ohne Not 1919/1920 den Versailles-Verträgen der Allierten … stattdessen das Volk zum gewaltlosem Widerstand gegen das Versailles-Diktat aufzufordern…

SPD, eine Partei für Friedenspolitik … das war und ist eine üble Lüge.

Und nebenbau - warum gibt es bei den Sozis so viele fress-süchtige Menschen, die dazu hässliche Kleidern tragen. Immer schon. JDU

29.11.2022 -  Der grüne Vatikan 

 Der grüne Vatikan 

Der Vatikan der Grünen im Ländle heißt Freiburg, die Stadt.

Die grünlichen SWR -Journalisten berichten nahezu täglich aus ihrem Öko-Vatikan.

Wie einst die deutschen Kommunisten täglich aus Moskau, ihrem Rom.

Freiburg übrigens ist die Stadt im Ländle mit der höchsten Kriminalitätsrate. 

Die Stadt der grünlichen Verbrecher. JDU

Montag, 28. November 2022

28.11.2022 -  Grünliche Inquisition

 Grünliche Inquisition

Was in Mittelalter und bis ins 19. Jahrhundert die mörderische Inquisition der Kirche, das sind heute in der Gesellschaften der grünlichen Öko-Jakobiner … genau benannt: das sind heute die Terrorbanden „friday for future“, diverse „Lesben- und Schwulenverbände“ und LGBT -Gruppen, verschiedensten grünlichen Öko-Truppen, etc.

Sie kämpfen - schlimmer als einst die kirchlichen Inquisition oder die viktorianische (protestantischen) Gouvernanten - gegen Menschen, die ihre radikalen und inhumanen Programme ablehnen … diese grünen Jakobiner kämpfen mit Zerstörungen wertvollen Kunstwerken, die das Volk mit Steuergeld gekauft hat und allen gehören, die „Robespierres“ verwandeln die Straßen zu tötenden Guillotinen um - töten damit unschuldige Menschen … und vernichten mit ihrer Politik die Wirtschaften viele Menschen…

Wie die Kommunisten seit 1917 - wollen sie - weltweit 100 Millionen Menschen umbringen.

Typische - diese „Engel“ wollen die Himmel auf Erden mörderisch schaffen …

Deshalb - die neo-grünliche-deutsche Hymne lautet: "Am deutschen Wesen mag die Welt genesen ..." JDU

Sonntag, 27. November 2022

27.11.2022 - Partei-Gaststätten

 Heilbronner Parteien-Gaststätten

In einem Buch des Heilbronner Archivs - habe ich mal gelesen, weiß es aber nicht mehr in welchem Buch - dass es die Heilbronner Gaststätten der verschiedenen Parteien in der Weimarer Republik gegeben hatten - Gaststätten, in denen sich die Genossen/Volksgenossen aus den Sozialdemokraten, die Kommunisten oder Nationalsozialisten getroffen haben - ihre Parteiversammlungen abhielten und seine Stammtische hatten …

Welche Gaststätten waren das in Heilbronn?

Sozialdemokraten, Kommunisten und Gewerkschaftsmitglieder marschierten 1933 und danach (vor allem nach dem sogenannten Röhm-Putsch und der Olympiade) mit flatternden Fahnen zu den Nazis über - später dann auch die liberalen und konservativen Bürgerlichen … 

1945 wussten diese Parteigenossen/Gewerkschafter nichts mehr von ihren opportunistischen Haltungen … klar - sie waren nicht mehr „idiotische Partei-Sklaven“ (1919-1933), sondern nur noch „stolze arische Deutsche“ - von 1933 bis 1945 …

Übrigens - es gibt hier grüne Politiker, die aus strammen Nazi-Öko-Familien stammen … man merkt es öko-mäßig heute noch.  JDU

Samstag, 26. November 2022

26.11.2022 - Welt - Wagenknecht

WELT

Chris Lukhaup, 52, früher Metal-Bassist und heute Experte für Aquaristik:

 „Von Sahra Wagenknecht habe ich noch nie ein dummes Wort gehört.“

Wahrlich, wahrlich … wahr

 

Freitag, 25. November 2022

25.11.2022 - Klaus Wagner - Intendant Heilbronn (1980 - 2003)

 Klaus Wagner, Intendant des Stadttheaters in Heilbronn (1987)

Der Theatermann verabscheut Hinterfotzigkeit

 Von Jürgen Dieter Ueckert

 „Wer sich nicht in Gefahr begibt, kommt darin.“ – Eine Sprichwort-Abwandlung, die als Motto auf dem Heilbronner  Theater-Intendanten Klaus Wagner durchaus zutreffen könnte. Denn er löckt nicht nur wider den Stachel, er benötigt die Unruhe wie der Fisch das Wasser zum Leben.

 Das größte Unglück für Wagner wäre, „nichts tun zu können“. Und als Hauptcharakterzug erkennt er bei sich „Beharrungsvermögen“. Helden in der Wirklichkeit sind für ihn „alle Unbeirrbaren“, als Heldinnen in der Geschichte bezeichnet Wagner „die stolzen Gescheiterten“. Dem widerspricht auch nicht, dass er als natürliche Gabe „Menschenkenntnis“ besitzen möchte. Klaus Wagners Traum vom Glück ist „Wechsel mit immer neuer Intensität“. Und was wäre für den Heilbronner Intendanten das größte Unglück? Wagners lapidare Antwort: „Langeweile“.

 Heilbronns Bürger und Stadtverwaltung kennen ihren Intendanten als einen Mann, der zumeist am schmalen Kraterrand seiner Theaterexistenz balancierend entlang wandert – zum Stauen und Wundern des gaffenden Publikums. Und sieht es mal so aus, als strauchle er, kippe ab in den allesverschlingenden Abgrund, begleitet von vielen „Ohs“ und Ahs“, dann wird eine akrobatische Figur gezaubert, teilweise mit einer clownesken Haltung garniert – und schon ist alles wieder im Lot.

 Alle, die schon hofften, oder sich sogar wünschten, Klaus Wagner würde stürzen, sind ebenso erstaunt wie das ob Wagners Beweglichkeit begeisterte Publikum. In Heilbronn wird, wenn’s ums Theater geht, auf allen Ebenen gespielt.

 Klaus Wagner, dessen Lieblingsfarbe „Weiß“ ist, der sich recht bescheiden „das Gänseblümchen“ zur Lieblingsblume erkor, der sich als Lieblingsschriftsteller Henry Miller wählte, deren Lieblingsnamen „Madeleine und Michael“ lauten, der „Tapferkeit“ zu seiner Lieblingstugend zählt – für diesen Mann gibt es selbstverständlich nur eine Lieblingsbeschäftigung: „Theater machen.“

 In Frankfurt am Main wurde Klaus Wagner am 5.Mai 1930 als Sohn eines Kaufmanns, der „aus dem Nest gefallen war“, geboren. Aus dem Nest deshalb, weil der Vater aus einer Pfarrfamilie stammt. Als der kleine Klaus acht Jahre zählte, wurde der Vater von den Nazis abgeholt. „Eineinhalb Stunden ließ der Zwei-Zentner-Mann seine Schergen warten, um sich ordentlich anzuziehen und gut zu frühstücken. Der Vater wusste, dass es Jahre dauern würde, ehe er seine Familie wiedersehen würde. 1945 kam er aus dem Konzentrationslager zurück – der Mann wog noch fünfzig Kilo.“ – Unkontrollierte Macht ist Klaus Wagner seither ein Gräuel.

 In Franfurt lebte der Knabe Klaus nur eineinhalb Jahre. Die einzige Erinnerung an diese Zeit: eine Krankheitsgeschichte. Er litt ein dreiviertel Jahr an Kinderlähmung. Aufgewachsen ist Wagner dann in Trostberg, einer kleinen oberbayrischen Stadt am Chiemsee. Die Großeltern mütterlicherseits besaßen dort ein alteingesessenes Textilgeschäft. Die Mutter Klaus Wagners führte es nach dem Tod des Großvaters weiter.

 An die Schulzeit erinnert sich der Fahrschüler Wagner, der allmorgendlich mit dem Zug nach Traunstein ins Gymnasium anreiste ins Gymnasium anreiste, mit dem Stichwort „Ausnahmesituation“. Da das Schulhaus im Krieg Lazarett war, wurde der Unterricht in Hinterzimmern von Gasthöfen angehalten. „Lernstress gab es nicht, nur das Phänomen, dass jemand nicht mitkam. Ich habe zum Beispiel die Pose gehabt, nicht von Mathematik zu verstehen. Wir hatten einen Lehrer, der uns das Fach als geistiges Phänomen begreifen ließ.“

 Mit seinen Lehrern habe er überhaupt insgesamt Glück gehabt, erinnert sich Klaus Wagner heute. Fasziniert habe ihn immer wieder die „Begegnung mit Geist“ – Stichwort: „Parallelen treffen sich im unendlichen.“ Der katholische Geistliche, ein sommersprossiger, rothaariger und lispelnder Lehrer, „das Schlimmste für Kinder“, wurde mit „HJ-Gedanken“ bedroht: „Wenn er nicht macht, was uns gefällt, sagten wir Schüler, dann treten wir aus dem Fach Religion aus.“ Erfolg: Man lernt in den Religionsstunden das Hobby des Priesters kennen; die Sternwarte, das Fotografieren des Himmels, die Erklärung des Makrokosmos, den auseinanderbrechenden Raum.

 Kriegszeit war für den Jugendlichen Klaus Wagner „Friedenszeit“ – ohne Bomben und Kriegsgräuel. Die Familie lebte im geistigen Widerstand zum Naziregime. Das Geschäft der Mutter wurde teilweise boykottiert, weil der Vater im KZ saß. Onkel Walter war Bankdirektor und „von kommunistischer Gesinnung“. Der Postbote, „Herr Sachs“, gehörte zur „kleinen Verschwörung“, trommelte bei den Wagners immer die ersten Takte der Fünften von Beethoven an die Haustür. Die Wagners waren eben anderer Meinung und hatten daher immer etwas zu verbergen – von der Nazi-Staatsgewalt.

 „Mit elf Jahren spielte ich erstmals den Faust – mit fünf Pfund schminke im Gesicht.“ Theater habe er gemacht und nebenbei sei er zur Schule gegangen. Clavigo und Egmont spielte schon der 16- und 17-jährige Klaus Wagner. Seine kleine Schüler-Schauspieltruppe trat vor den Nazis mit solchen Durchhaltestücken auf, die später von den Amis als Freiheitsdramen geboten wurden – und verdiente dabei eine Menge Geld. Viertausend Mark hatte die Wagner-Truppe erspielt und avancierte damit zum Wohltäter ihrer Schule, der man mit dem Geld eine Berghütte kaufte.

 Nach dem Abitur im Jahre 1949 musste Klaus Wagner aus seinen Studienplatz in München warten. Drei Semester lang brachte er die Unibibliothek in Ordnung. Bei Arthur Kutscher studierte er dann Theaterwissenschaften – nebenbei auch noch Kunstgeschichte. Studienkollegen von Wagner in München waren Günter Gaus, August Everding und Peter Hackst – zum Beispiel. Gaus habe damals große politische Manifeste von sich gegeben. Die Studenten hätten in dieser Stunde Null gedacht, alles tue sich von selbst neu – „wir brauchen nichts tun“. Später sei man dann frustriert gewesen, weil nicht alles in der Nachkriegszeit so gelaufen sei, wie man es sich erdacht habe.

 Klaus Wagner hielt es im Unibetrieb nicht lange aus. „Ich hatte eine brennende Energie; wollte raus und was tun.“ Staatsexamen und Promotion ließ er dahinfahren. Im Frankfurter „Theater im Zoo“ wurde er bei Fritz Rémond „Mädchen für alles“. Regieassistent, Inspizient und Kleindarsteller. Von 1951 bis 54 lernte Wagner in diesem Haus eine Theater-Atmosphäre kennen, in der nur die „zupackende Verbindung zwischen Theater und der Zuschauern“ zählte. Rémond brachte Schauspiel an die Leute, in dem das Flair zählte. Eine Aussage ohne theatralische  Mittel war eben keine – punktum. Auch die negativen Seiten dieser Arbeit lernte Klaus Wagner kennen: „Aber im Rückblick ist mir das lieber als eine keimfreie Atmosphäre.“

 Seit dem Jahre 1953 ist Klaus Wagner als Regisseur tätig: „Ich habe Rémond erpresst. Er war auf Sylt. Ich sagte ihm, wenn ich nicht inszenieren darf, dann gehe ich – sofort. Er sagte mir: wenn du bleibst darfst du inszenieren.“ Die erste Arbeit war eine deutsche Erstaufführung „Labyrinth“ – ein Stück über ein Irrenhaus. Und danach inszenierte er „furchtbar viel Shakespeare“ und mit Boy Gobert zum Beispiel „Einladung ins schloss“. Klaus Wagner wurde herumgereicht als junger und begabter Regisseur in Essen, Hamburg, Bern, Basel, Baden-Baden – und erhielt begehrte Kritiker-Preise.

 In Bremen wurde er dann Oberspielleiter am Schauspiel und kündigte nach acht Monaten wegen eines Krachs mit dem Intendanten den Vertrag. In Bern dauerte das Engagement in gleicher Position von 1956 bis1958. 1954 schon begann Klaus Wagners Wanderzeit als Gastregisseur: „Das war Flucht. Das sucht man sich nicht aus.“ Seit 1959 inszeniert er Fernsehspiele.  Für „Das Betriebsfest“, das Wagner für den NDR gemacht hatte, erhielt er den begehrten Grimme-Preis. Später arbeitete er viel für den hessischen Rundfunk, den NDR, die Bavaria und das ZDF. „Ich habe das mit Professionalität gemacht. Und das war damals fürs Theater verdächtig.“ Theater und Fernsehen standen sich in jenen Jahren noch als feindliche Medien gegenüber.

 „Ein Privatleben gab es in dieser Zeit kaum, wenn dann nur im Theater oder gar nicht.“ Kinder hat Klaus Wagner nicht. Verheiratet ist er mit der Schauspielerin Madeleine Lienhardt – in zweiter Ehe. Seine „private Häuslichkeit“ liegt im Hunsrück. „Ich konnte mir damals kein Hemd leisten, aber ein Haus musste es sein – ein 300 Jahre altes Weingut. Ich sehe den Bau gerne wachsen – und renovierte heute noch viel. Ein Stück Heimatlichkeit ist das – es kommt aus meinem Sternzeichen Stier und seiner Tendenz, das zu bewahren.“

 Heilbronn war für Klaus Wagner ein Zufall. „Ich hatte betrieben, Intendant zu werden - Heilbronn war eine Möglichkeit. Gereizt haben mich die Voraussetzungen, die ja nicht berechenbar waren.“ Nach seiner Wahl durch den Gemeinderat der Stadt im Juli 1979 gab der frischgebackene Intendant Klaus Wagner in einem Interview zu Protokoll: „Bisher habe ich immer gesagt, ich habe die drei Wohnzimmer: das eine ist das Auto, das zweite ist das Café am Nachmittag und das dritte ist die Wirtschaft am Abend, in der man sitzt. Das wird jetzt anders werden. Darauf freue ich mich.“ Zu Hause in Heilbronn - das ist das Theater und eine kleine Wohnung, nahe dem Berliner Platz.

 Nach rund zwei jähren in den Heilbronner Theater-Provisorien „Gewerkschaftshaus“ und „Altre Kelter“, in denen Klaus Wagner schon vorstellte, was er im neuen Theaterbau am Berliner Platz verwirklichen  wollte, verwandelte der Intendant ab dem 16. November 1982 den Neubau in einen Hexenkessel. Er probierte alles aus, testete das Publikum auf seine Belastbarkeit – niemals attackierend, sondern umsichtig und vorsichtig bohrend. Sein Schlagwort: „Vielfalt und Überraschung.“ Der Aufbau des „Vollbetriebs“ war für Klaus Wagner Herausforderung – und wurde ein großer Erfolg.

 Auch zurzeit befindet er sich wieder „in einer fast beneidenswerten Situation, von der man eher Angst haben muss, dass es auch so weitergeht.“ Die Abonnentenzahlen steigen, die Zuschauer reißen sich um Karten – die Abstimmung über den erfolg findet für ihn allabendlich an der Theaterkasse statt, nicht in denn  Bürokraten- oder Kritikerstuben.

 Eine „Grundvoraussetzung für den Erfolg“ ist für Wagner das funktionierende Schauspiel. Daran und an allen anderen Planungen arbeitet er mit dem kleinen Ensemble von knapp dreißig schauspielern – Tag und Nacht. Bei seinem Ensemble soll der Grundsatz gelten: Originalität und ihre Irritierbarkeit müssen Qualität erbringen, nicht die Gesichertheit engagiert zu sein. „Das heißt dann auch, wenn nach sieben Vorstellungen etwas nicht stimmt, dann lass ich das nicht durchgehen, sondern setze neue Proben an.“

 Fehler entschuldigt der Intendant, wenn sie „aus Dummheit“ geschehen. Am meisten verabscheut er „Hinterfotzigkeit“. Geschichtliche Gestalten, „die nichts verkörpern als sich selbst“, verachtet er. „Geordnete Rückzüge“ sind militärische Leistungen, die Klaus Wagner am meisten bewundert. Das vollkommen irdische Glück für ihn „gibt es nicht, Gott sei Dank“. Seine Geistesverfassung derzeit ist „wach und tätig“. Und sein Motto lautet: „Weitermachen.“

Neckar-Express, Donnerstag, 24. September 1987

Rhein-Neckar-Zeitung, Samstag, 26. September 1987

24.11.2022 - Walter Bison - Theater in Heilbronn (1954 - 1980)

 Stadttheater Heilbronn - Portraits - Walter Bison ist tot - Theater-Intendant a. D. (1985)

Am 14. April 1985 starb Heilbronns Theater-Intendant Walter Bison


Kantiger und hartnäckiger Mensch 
mit Standvermögen

Von Jürgen Dieter Ueckert


Die 26jährige Amtszeit des Intendanten Walter Bison am Heilbronner Theater war in der Spielzeit 1979/80 zu Ende gegangen. Der Intendantenwechsel von Bison zu Klaus Wagner wurde im August 1980 vollzogen – nicht gerade formvollendet. Am 14. April 1985, knapp fünf Jahre nach dem Amtswechsel, starb Walter Bison. Mit ihm verließ ein Mann die „Stadt der Krämerseelen“, der nahezu drei Jahrzehnte Theater-Leben und -Geschehen mitgeprägt und mitentscheiden hatte.

Die Stadt des Kleistschen Käthchens verliert einen Theater-Intendanten, vom dem immer im Zusammenhang mit dem Wörtchen „Provisorium“ gesprochen wurde. Walter Bison, ein Intendant eines Theaterzustandes, den niemand wollte, aber den die Stadtväter, -mütter und -bürger ertragen und geduldet hatten. Das Heilbronner Theater – ein Institut, so der neue Intendant Klaus Wagner, das in der Provisoriums-Zeit nur nötig gehabt habe, „zu funktionieren, um geduldet zu sein“.

„Der talentvolle junge Lübecker“ – so hatte einst das Wochenmagazin Der Spiegel in seiner Nummer 35 des ersten Jahrgangs anno 1947 lobend über Walter Bison in einer Theaterkritik geschrieben. In jenem Jahr zählte der am 25. Juli 1913 in Düsseldorf geborene Walter Bison allerdings schon 34 Jahre.

In Lübeck war der Sohn eines Oberingenieurs ausgewachsen. 1932 hatte er dort sein Abitur bestanden, absolvierte danach eine dreijährige Lehre als Kaufmann, nahm nebenher noch Schauspielunterricht und hatte im Frühjahr 1935 sowohl die kaufmännische als auch die Schauspieler-Abschlussprüfung bestanden. Eine Verknüpfung von Geschäft und Kunst, die vor allem wieder in der Heilbronner Zeit von Bison mit Liebe gepflegt werden sollte.

Das erste Engagement als Schauspieler führte ihn ans Grenzlandtheater Flensburg. Über Stralsund und Görlitz kam er 1937 ans Staatstheater in Danzig. Ab 1940 kämpfte er als Soldat im Zeiten Weltkrieg. Im Herbst 1945 konnte er wieder in seine Heimat zurückkehren. Auf den Brettern des Stadttheaters Lübeck spielte Bison ab Oktober 1945 wieder. Im gleichen Jahr ging er zur „Jungen Bühne“ nach Hamburg. 1948, als Walter Bison seine erste Spielleiter-Stelle am Staatstheater in Kassel antrat, stand er im 35. Lebensjahr. Bison gehört somit zu jener Generation, die im Dritten Reich das Rüstzeug für das Theaterspielen mitbekam. In einer politischen Wende-Landschaft, in der das Theater sehr schnell gleichgeschaltet war.

Der „Bruch“ nach dem Krieg für diese Generation von Theater-Leuten war total. Ihnen fehlte das Erleben der geistig wilden zwanziger Jahren in Deutschland. Eine völlig neue Ära deutscher Theaterkultur begann im Nachkriegsdeutschland für diese schon „alten“ jungen Menschen. Die zweite Karriere des Walter Bison begann 1949 als Oberspielleiter des Schauspiels am Stadttheater Hildesheim. Drei Jahre später kam er in der gleichen Position an Landestheater Tübingen. Und 1954 begann seine „lange Spielzeit“ in Heilbronn.

Ein festes Ensemble existierte damals noch nicht. Stückverträge waren an der Tagesordnung. Man spielte viel: Operette, Schauspiel – nebst Balletteinlagen, die in die Inszenierungen „geschmuggelt“ wurden. Aber diese Vielfalt gab es nur anfangs; später existierte nur noch das reine Schauspiel auf der Provisoriums-Bühne im Heilbronner Gewerkschaftshaus.

Der Zuschuss fürs Theater betrug im Jahr 1954 noch 50.000 Mark pro Spielzeit. Am Ende von Walter Bisons Amtszeit war er auf 1,5 Millionen angewachsen. Das feste Ensemble wurde 1958 Bestandteil des Provisoriums. Zur Spielzeit 1956/57 ernannte man Bison zum Intendanten. Ein Titel für den vom Erfolg verwöhnten, der Beginn einer Karriere des „Intendanten“ Walter Bison in deutschen Theatern? Mitnichten; er regierte in Heilbronn das Theater als Adenauer die Bundesrepublik.

Ein Mann der großen Ausdauer. Geschäftsführer wurde der „Kaufmann Bison“ mit Beginn der Spielzeit 1968/69 – als das Heilbronner Theater die Rechtsform einer „Gesellschaft mit beschränkter Haftung“ erhalten hatte. – Walter Bison, der Regisseur inszenierte 160 Stücke und spielte in über 80 Inszenierungen tragende Rollen – zumeist in eigener Rolle. Seine letzte Hauptrolle in Heilbronn: der Schriftstellern und Nobelpreisträger Wolfgang Schwitter in Friedrich Dürrenmatt „Der Meteor“. Ein Stück mit dem Schlusswort „Wann krepiere ich denn endlich?“ – die letzten Worte des Schauspielers Bison auf den Heilbronner Theater-Brettern.

Beherrschende Rollen in der Theater-Literatur stellte Walter Bison mit Vorliebe auf der Bühne dar. Den „König Lear“ Shakespeares, den „Nathan“ Lessings, den Philipp in Schillers „Don Carlos“, den General Harras in Zuckmayers „Des Teufels General“ oder den Kreon – aber in Anouilhs „Antigone“. Und er wagte sich auch an Schillers „Wallenstein“ und Brechts „Puntila“. Bison wollte in seiner Charakterisierungskunst „Menschen“ auf die Bühne stellen.

Ein Mann der Verweigerung war Walter Bison. Eine Studiobühne, hervorgerufen durch eine Privatinitiative in den sechziger Jahren, vom Heilbronner Theater dann übernommen – und das auch nicht ganz freiwillig – existiert zum Ende seiner Amtszeit nicht mehr. Der Intendant wollte sie nicht. Wegen des zu kleinen Ensembles, der miserablen Räumlichkeiten des „Studios“ in der Stadthalle Harmonie.

Kindertheater - dagegen sträubte sich Walter Bison lange. Für ihn war es im Gewerkschaftshaus nicht herstellbar. Aber schließlich spielte sein Heilbronner Theater zweimal pro Spielzeit ein Kinderstück.

Für Walter Bison musste etwas reifen. Dem Prinzipal musste gezeigt werden, dass die neuen Aspekte auch gut für sein Theater sind. Seine Skepsis überwog in den meisten Fällen. Er hatte schließlich schlechte Erfahrungen gemacht. Ihm war von der Stadt Heilbronn ein neues Haus, ein Millionen-Theater-Neubau versprochen worden – jahrzehntelang. Er wollte deshalb die Stätte im Gewerkschaftshaus als Provisorium belassen, um die Notwendigkeit des Neubaus aufzuzeigen.

Aber Stadträte und Bürgermeister kümmerten sich mehrheitlich wenig um den mahnend erhobenen, oft moralisierenden Fingerzeig des Intendanten. Wenn es in der Gartenstraße Heilbronns mit dem „Theaterle“ geht – und dank Bison lief der Laden - , wozu dann in Hetze einen Neubau beschließen. Man zeterte und zankte übers Theater im Heilbronner Gemeinderat mehr als zwanzig Jahre. Und man stritt besonders heftig, als die Bison-Ära schon ins dritte Jahrzehnt ging.


Eine Bilanz der Erfolglosigkeit für den Intendanten? Bison, der beharrlich für das Theater am Berliner Platz – den Grübner-Münter-Entwurf – gestritten hatte, war erfolgreich in seinem Kampf. Aber der „Vierteljahrhundert-Intendant“ Bison konnte in dem Neubau weder inszenieren noch als Schauspieler auftreten – nachdem dieser Bau im Herbst 1982 eingeweiht worden war. Das hat ihm mehr zu schaffen gemacht - als er zugeben wollte.

Zusammen mit seinem Mitstreiter, dem ehemaligen Kulturdezernenten Erwin Fuchs, verabscheute Walter Bison Kompromisse in Fragen des Theaterbaus. Den Heilbronnern wünschte er – falls seine Vorstellung von einem Theaterbau nicht verwirklicht würde – „für die kommenden 100 Jahren kein Theater“. Dabei bot er in seiner täglichen Arbeit ein Theater, das viel umstritten war, aber von treuen Heilbronnern auch geliebt wurde.

Werktreue, ein in der Theater-Experten-Diskussionen überstrapaziertes Wort, gehörte zu seinem alltäglichen Wortschatz; ebenso das aus der Musik entlehnte Wort „Vom Blatt spielen“. Absolutheitsansprüche für die Dramaturgie. Walter Bisons Lieblingsschauspieler und –Intendant Gustaf Gründgens wurde oft zitiert: „Lieber weniger glänzend, aber richtig - als faszinierend und falsch.“

„Ein Theater der Entspannung“ und ein „Theater der Haltung“ – Stichworte, die Bison-Theater inhaltlich umreißen sollten. Walter Bison, der die Figuren in seinem Theater „erregend und natürlich“ herstellen wollte, der mithalf in seinem 26 Heilbronner Jahren an die 500 Inszenierungen anzubieten, war ein Mann mit Standvermögen – lang und durchhaltend.

Walter Bison ist der Intendant des „Heilbronner Theater-Provisoriums“ - und damit ist er einer jener Männer, die in kulturfeindlichen den Theatergedanken am Leben hielten. Eine Arbeit, die vor allem die Heilbronner Kulturpolitik der Nachkriegszeit kennzeichnet. Eine Zeit, die mit seinem Tode nicht abgeschlossen ist. Sie begegnet uns alltäglich. Nicht nur im Erinnern.

Rhein-Neckar-Zeitung, 20. April 1985
Neckar Express, 21. April 1985

Mittwoch, 23. November 2022

23.11.2022 - 40 Jahre Stadtheater-Neubau Heilbronn - "Mephisto"

„Mephisto“ und „Sturm im Wasserglas“ am Stadttheater Heilbronn

Kaum Vielfalt und Überraschung     

Von Jürgen Dieter Ueckert

Eine Serie von nicht weniger als fünf Eröffnungspre­mieren ließ der Intendant des Heilbronner Theaters seit dem 16. November herausbringen. Er hat damit im Ganzen nicht nur sein Ensemble überstrapaziert, son­dern sich auch noch die Schelte vieler Beobachter ein­gehandelt. Jetzt - so ist zu hoffen - sollte in Heilbronn, nach der hektischen Anfangszeit, im neuen Theaterbau erst einmal wieder Ruhe einkehren. Die letzten Premie­ren, das waren Bruno Franks „Sturm im Wasserglas"’ und vor allem der „Mephisto", den das tschechische Team Jaroslav Gillar und Jiri Kothar erarbeitet hatte.

Die Wellen, die der erste Sturm am Heilbronner Stadt­theater nach der Eröffnungspre­miere vor rund drei Wochen verursacht hatte, schlagen in der Bevölkerung immer noch hoch. Waren doch die festlichen Empfänge nach den ersten Pre­mieren nur für Honoratioren aus Staat und Gesellschaft gegeben worden. Das Ensemble und die Technik blieben vor der Tür und darob recht sauer.

Tage danach gab es für sie Spenden in Form von Weinflaschen. Einige Firmen und Verbände arran­gierten auch kleine Empfänge für die Theaterangehörigen, die oft ebenso peinlich wirkten wie die städtische Ignoranz bei der Eröffnungspremiere. Aber das Klima im neuen Haus in Heilbronn bleibt schlecht. Davon zeugen nicht nur die vielen Überstunden der Technik und die herausgepeitschten Premieren; diesen Zustand signalisiert auch die Theaterleitung, die zu den Vorkommnissen schweigt, ebenso vielsagend wie die Stadt; Heilbronn es tut.

Nach der unruhigen Zeit der Eröffnung des ,,67-Millionen- Spektakels" - so teuer war der Bau insgesamt - ist die Ruhe zur Selbstbesinnung wahrlich von­nöten. Wenn eine derart große Anzahl von Kräften wie ange­kündigt Haus und Ensemble verlassen, so muß zur nächsten Spielzeit nahezu von vorn begonnen werden. Aber auch das dürfte einbindbar sein in das Motto des Intendanten, was da lautet „Vielfalt und Überra­schung".

Keine Überraschung, sondern eine in Heilbronn altbekannte Spielweise wurde zur Eröffnung des neuen Kammertheaters geboten. Nicht nur im dafür vorge­sehenen viereckigen Raum, einem schuhkartonähnlichen Gebilde, bot man Mnouchkines; „Mephisto" - sozusagen als  Beiprogramm zum Goethes Faust im Großen Haus sondern auch der Eingangsbereich, das kleine Foyer und Seitenbe­reiche der Studiobühne wurden als Spielfläche benutzt. Raum­theater, wie schon in der Provisoriumsbühne, der Alten Kelter. Nur mit dem Unterschied, daß im „Mephisto" das Publikum in der Mitte saß, die Spielflächen teilweise im Rücken der Zu­schauer dank mächtiger Säulen uneinsehbar waren und so die Szenenfolge streckenweise nur als Hörspiel verabreicht wurde.

Nachdem nun der Klaus- Mann-Roman „einer Karriere" wieder im Buchhandel erschienen, die Mnouchkine-Adaption des „Mephisto" fürs Theater auch in deutscher Fassung vorgelegt worden und der Film mit gleichem Titel von Istvan Szabo, dem Ungarn, schon wieder in der Versenkung verschwunden ist, in den letzten zwei Jahren dazuhin das Verhältnis von Gustaf Gründgens und Klaus Mann, den einst verschwägerten Freunden, in vielen Publikationen ausführlich dargelegt wurde, fragt man sich doch un­willkürlich: was soll dieses Faust-Beiprogramm in Heilbronn bewirken?

Eroberung der Provinz? In Heilbronn soll - laut Theater-Zeitung - die Geschichte einer Karriere erzählt, die Problematik des Opportunismus vermittelt werden. Um dieses selbst­gesteckte, schlichte Ziel zu er­reichen, wird die Geschichte märchenhaft erzählt. Ein Stationenstück in Heilbronn, in dem die artistische Eleganz der!

Mnouchkine-Aufführungen fehlte eine Inszenierung, die nichts von der kühlen Beschreibung der Stuttgarter Regiearbeit von Hansgünther Heyme hat, in der die Nervosität der Zeit in differenzierten Menschenschilderungen geboten worden war. Jaroslav Gillars Regieleistung war gefällig und damit der erste relative Erfolg des Heilbronner Theaters - re­lativ unter den vier Eröffnungsstücken, das Kindertheater einmal ausgenommen.

Größter Nachteil dieser Insze­nierung: das Bühnenbild, die Aufteilung des Raumes verpflichtet geradezu, das Stück vom Kammertheater ins große! Haus umzusetzen. Nicht nur, weil die Zuschauer teilweise nichts zu sehen bekommen, sondern weil die vielen Statio­nen im „Mephisto" Raum ver­langen. Zum Beispiel eine Bühne auf der Bühne, Nischen für die privaten Szenen. Und dieser Raum ist in der niederen Kam­merbühne Heilbronns nicht ge­geben.

Die Geschichte von Hendrik Höfgen, dem Karrieristen, be­ginnt in Hamburg als flatterhaf­tes Spiel eines Salonkommunisten, pendelnd zwischen dem bürgerlichen Theater und der Kabarettbühne - aber immer mit dem Blick auch in die Reichshauptstadt: „Mein Gott, wann werde ich den Zug nach Berlin nehmen?"

Die Sehn­sucht, die Enge der Provinz hin­ter sich zu lassen. Und als er es dann geschafft hat, große Rollen zu spielen, Filme zu drehen, Opernregie zu führen, Ehe­mann einer Tochter des be­rühmtesten Dichterfürsten Deutschlands zu werden, holt ihn sein unbürgerliches Ham­burger Leben ein. Juliette, eine farbige Tänzerin, ist in Heil­bronn ein blonder Travestiestar, ein Transvestit, von jenem Schauspieler dargeboten, der auch den Sebastian, die Klaus- Mann-Person im „Mephisto" zu spielen hat. Diese Doppeibesetzung wirkt aus der Schlüssellochgucker-Perspektive vielversprechend, interessant.

Aber sie bringt das Stück ins Wan­ken. Allein der optische Reiz erklärt nichts; und von einer Dra­maturgie wurde nicht verbindend nachgefaßt. Konnte es ja auch nicht, denn es gab keine Dramaturgie für diese Inszenie­rung.

Shownummern winden dafür; umso heftiger mit hopsenden Ballettmädchen breitgetanzt; man singt ein wenig, spielt clownesk kleine Sketche und läßt schließlich den neuen Na­zi-Intendanten nach der Macht­übernahme als gewichtigen Fettkloß auftreten, in einem Thronsessel sitzend, zu dem ein roter Teppich führt, flankiert von meterlangen Hakenkreuzfah­nen. Hans Miklas, der Nazi-Schauspieler, die verirrte jugendliche Stürmer- und Dränger-Natur, soll als Denunziant als „Sittenminister" der neuen Schauspielführung engagiert werden. Aber Miklas macht nicht mit: „Ich suche meine Feinde nicht im Bett auf und nicht auf dem Topf."

Jaroslav Gillar, der Regisseur, ließ Geschichtchen von Schau­spielern ablaufen, versuchte nicht Personen so zu konturieren, damit ihre Entscheidungen - von den Verhältnissen abhän­gig - uns erklärbar oder verständlich werden. Und zum Schluß steht - wie ein Fanal - der Hendrik-Höfgen-Satz: „Ich bin doch nur ein ganz gewöhnlicher Schauspieler."

Dieser Anspruch und andere sind im Hauptdarsteller nur zum Teil erfüllt. Miklos Horvath ist bestimmend im Auftreten, kaltschnäuzig in der Durchset­zung seines Willens; eine Faszi­nation, der flimmernde Charme, das Gewinnende eines Höfgen- Gründgens aber fehlt ihm. Mit sensibler Klarheit und fröhli­cher Kabarettspielerei zeigt Ur­sula Münch als Myriam Horowitz das, was andere Schau­spieler dieses Theaters noch vermissen lassen: die Fähigkeit, sich von der Bemühung im Spiel zu lösen.

Gelegentlich eingestreute Zi­tate aus Dokumentar-Filmen, die penetrante Hintergrund- Musik, Lichtspiele, das übliche Ausprobieren vieler technischer Möglichkeiten am neuen Thea­ter wirkten plump und teilweise hilflos.

War somit der „Mephisto" in Heilbronn noch relativ eine klar; gearbeitete Inszenierung, so bot! einen Tag später die einst am alten Heilbronner Stadttheater schon engagierte Liesel Christ, die ihre Anfängerzeit in der Neckarstadt bewältigt hatte, ei­ne sogenannte Volksschauspie­lerin aus Frankfurt, bekannt aus der Fernsehserie der Hessel­bach-Familie, mit Bruno Franks Stück „Sturm im Wasserglas" den Publikumserfolg.

Da schlugen sich die Besu­cher kreischend auf die Schenkel, und gelegentlich bekam! man auch einen heftigen Stoß mit dem Ellenbogen in die Rip­pen - von allzu begeisterten Nachbarn. Eine Billig-Inszenierung: die Kleider wahllos und wildgallopierend durch die Jahrzehnte aus dem Fundus ge­rafft; ein Bühnenbild, das - so schlecht gebaut und gestrichen - selten in den Provisorien Heilbronns auf die Bretter gesetzt worden war.

Die Abschlußinszenierung des Eröffnungsreigens, bei der die Hauptdarstellerin, Frau Christ, in der Rolle der Blumenhändlerin Frau Vogl in breitem Hessisch parlierend, ihren Hausregisseur Wolfgang Kaus aus Frankfurt gleich mitge­bracht hatte. Auch in dieser Ar­beit gab's wieder leidliche Dop­pelbesetzungen, die das Stück ins Wanken brachten. Der Ma­gistratsdiener Pfaffenzeller ist gleichzeitig Diener im Ge­richtssaal - und muß sich als Zeuge daher selbst aufrufen. Ein recht willkürlicher und un­logischer Spaß. Aber von dieser Sorte haarsträubender Unzu­länglichkeiten ist die Inszenie­rung nur so angefüllt.

In Heilbronn konnte man der Vergewaltigung einer Komödie beiwohnen. Mit Theaterspiel hatte das wenig zu tun. Die Eröffnungspremieren am Stadt­theater haben mehr von der Hilflosigkeit, mit einem schier unbezwingbaren Apparat an Technik und Personal fertig zu werden, gezeigt als das, was demnächst in diesem neuen Haus erarbeitet werden kann.

 

Stadttheater Heilbronn

Premiere „Mephisto“  26.1.1982

Premiere „Sturm im Wasserglas“ 28.11.1982

 

Dienstag, 22. November 2022

22.11.2022 - 40 Jahre Stadttheater-Neubau Heilbronn (4)

4. Eröffnung des Heilbronner Theaters 1982

Eine Hörfunk-Reportage (Teil 4)
 

Von Jürgen Dieter Ueckert

Besprechung der

Auftakt-Inszenierung 

"My Fair Lady"

Süddeutscher Rundfunk
Zweites Programm-Hörfunk
Kulturreport regional – Württemberg
Freitag, den 19. November 1982, 19.30 Uhr


"My Fair Lady" zur festlichen Eröffnung des neuen Stadttheaters in Heilbronn. Als der Intendant mit die­sem Plan einst an die Öffentlichkeit getreten war, wurde von einigen Seiten der Bürgerschaft Heilbronns an der „würdelosen" Absicht Anstoß genommen.

Aber das Wunschstück des Heilbronner Oberbürgermeisters, das Musical von dem Blumenmädchen aus der Gosse, das dank der ruppigen Sprecherziehung eines Phonetik-Professors zur einer Lady herausgeputzt wird, ging dann doch matt beklatscht am Dienstag dieser Woche über die große Bühne des neuen Hauses.

Von einer Wiederkehr des Hoftheaters hatten böse Zungen in der Stadt gesprochen. Aber das hat Tradition. War doch der erste Theaterbau 1913 auch mit einem Stück eröffnet wor­den, das sich damals ein Fabrikant, ein nicht un­bedeutender Bürger der Stadt gewünscht und gleich selbst verfasst hatte.

Soweit war der im nächsten Jahr aus seinem Amt scheidende Oberbürgermeister Hans Hoffmann nicht gegangen. Für die Liebhaber der klassischen Theaterliteratur gibt es am morgigen Samstag in der zweiten Premiere einen Goethe-Faust-I in der Inter­pretation des Intendanten Klaus Wagner, der - wie schon gesagt - auch die Lady-Inszenierung besorgt hatte.

Die besondere Bemühung seines Theaters, so der Inten­dant in einem Artikel in seiner hauseigenen Theater-Zeitung mit der Überschrift 'Zukunft und Sinn für ein neues Theater", gelte der Eroberung des Musicals. „Anatevka“, „Irma la douce“, „Candide“ und jetzt „My Fair Lady“ - das sind beredte Zeugen in der zweijährigen Amtsperiode von Klaus Wagner für diesen Eroberungs­willen.

Wobei eine Eroberung im militärischen Sinn des Wortes wohl eher gemeint war - als in der betuli­chen, liebevoll tradierten Aufbereitung des Stückes. Wer „My Fair Lady“ hört, denkt vornehmlich an die Hollywood-Film-Fassung, denkt vielleicht an schmissige Melodien, eine muntere Choreografie kurz: an ein heiter bis­siges Spiel, das schließlich zu einem guten Ende kommt.

Nichts davon in der Wagner-Interpretation. Schlicht gesagt: vom Musical blieb ein wenig Gesang; und die Geschichte wurde aus der lässigen, großzügi­gen Musical-Show in die enge Puppenstube des 19. Jahrhundert zurückgepeitscht.

Kein Berliner Dialekt war in dieser deutschen Version zu hören, auch kein schwäbischer - wie Mutige vielleicht folgern würden - nein, man sprach ein Kauderwelsch aus dem dichten Wald deutscher Dialekte, vermischt mit dem Anklang von Ausländerdeutsch aller Schattierungen.

Selten war daher der Text der Sprecher oder Sänger – trugen sie ihn als Volk vor – zu verstehen. Vornehmlich wurde in dieser Auftaktinszenierung des neuen Heilbronner Theaters die Technik des Hauses vorgeführt: im ersten Bild eine Holzfassade des alten Heilbronner Theaters als Covent-Garden-Opera­-House gezeigt und vom Publikum dankbar beklatscht - ebenso wie der echte Theater-Regen, der auf die Bühne pras­selte.

Das Geschehen im Hause das Professor Higgins spielte sich dann in einem viktorianischen Gebäude ab, das die gesamte Bühne einnahm. Auf vier Stockwerken zeigte man ein Geschehen, das von der aufwen­digen Spielerei mit der Technik teilweise an den Rand gedrängt wurde.

Da wurden vom Hause des Pro­fessors, wie in einer Puppenstube, die Außenwände hochgezogen, damit der Zuschauer einsichtig ins Ge­schehen wurde; da gab es ein putziges Hafenbild mit
Butzenscheibenromantik, in dem Vater Doolittle und sei­ne Freunde herumturnten; und Mutter Higgins wohnte in einem Landhaus, das auf einem Kreidefelsen stand.

Eine sehr naive Auffassung von Theaterkulissen - verzerrt realistisch geboten - feierte seine Wiederauferstehung in der Dekoration von Günter Kup­fer. In die viktorianische Scheinidylle setze Wagner sein Zappel-Musical mit Marionetten-Figuren. Alles, was landläufig so bürgerlich-schön am Lady-Musical goutiert wird, wurde hier gegen den Strich gebürstet.

Eliza, das Blumenmädchen, hat in der Gestaltung von Madeleine Lienhard zu Beginn noch einen gewissen Charme von Gosse. Je mehr sie sich zur Dame von Welt erpresst und erpressen lässt, wird sie hässlicher - auch in ihrem körperlichen Verhalten. Ein steifer Oberkörper, herabhängende Arme, staksender Gang und ein auf den Hals gepresster Kopf machen aus dieser Dame einen dressierten Hund.

So wird die Eliza nicht schöner, sondern verbogener. Ihr Anbeter Freddy verkrümmt sich zu einem vor dem Hause des Professors schlafenden Tramp. Und die eigentlich vom spritzigen Humor lebende Story wird zu einer von Zwängen befrachteten Handlung, die sich mühsam und zäh dahin zieht.

Folgerichtig kriegen sich der Herr Professor und das Blumenmädchen in der Wagner Interpretation nicht. Man hielt sich damit an die Vorlage, an George Bernard Shaws „Pygmalion“-Schauspiel per mit dem riesigen Ödipus-Komplex beladene Higgins ist im starren System der Unveränderlichkeit gefangen.

Eliza aber hat sich verändert , als einzige im Stück, von der Natürlichkeit des Slums zur frustrierten Lady, geht mit dem Kapital, das ihr der Professor gab, in eine neue Zukunft als Sprecherzieherin. Ein typischer Schluss für Shaw-Komödien: die Narren werden gewechselt.

Aber von Komödie war in dieser Inszenierung kaum etwas zu spüren; auf jeden Fall gab es wenig zu lachen. Das war ein Schlag aus der Zauberkiste des „Nicht-Erwartbaren“, dem Motto das Intendanten und Regisseurs.

Jetzt fragt sich nur: warum ist „My Fair Lady“, das Musical, in Heilbronn auf offener Bühne exekutiert worden? Erobert wurde es damit wahrlich; eben nur um den Preis seiner Zerstörung. Mit dünnen Stimmen wurden die Lieder vor­getragen - warum also nicht gleich das Schauspiel „Pygmalion“?

Sicherlich ist es erlaubt, die Starrheit eines Welterfolgs, seine Sinnentleerung aufzudecken. Dazu wären aber Könner auf der Bühne notwendig gewesen. Als Ersatz gab es nur einen ungeheuer großen, bühnentechnischen Aufwand.

Klaus Wagner hat der frohgestimmten Heilbronner Theater-Bürgerschaft sein Lady-Experiment vorgeführt. Junge Schauspieler zeigten die schmale Bandbreite ihres Könnens in großen Rollen. Mir schien, als ob den mit tradierten Erwartungen ins Theater kommen­den Zuschauern ihre Lady zurück in ihren geistigen Schlund gestopft werden sollte.

Kumpans des mühsamen Spektakels, des Ensembles wur­den die Besucher in der Pause, in der der „Ball in der Botschaft" im Foyer stattfand - vor einem rie­sigen Adolf-Menzel-Bild, aus dem der König von Transsylvanien fettleibig hervortrat, um Eliza zum Tanz zu entführen. So hat Heilbronn seinen Tanz auf dem Theater-Vulkan begonnen.

Die nächsten Stücke: „Faust I“, „Mephisto“ von Mnouchkine und „Sturm im Wasser­glas“. Zu hoffen ist, dass die Frechheit des Theaters seine Fortsetzung findet. Vielleicht mit ein wenig mehr schauspielerischer Qualität.

M u s i k / Ende der Reportage

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