Brief zum Krieg in der Ukraine
Lieber Monsignore Westenfeld,
vielen herzlichen Dank für die SMS – Ihr Anruf über WhatsApp war wohl ein falsches Tippen auf dem Smartphone – dadurch entstehen diese Anrufe.
Ich hätte ohnehin Ihren Anruf nicht annehmen können, weil ich im Gaffenbergwald war (meinen täglichen Walk - zwei Stunden, neun Kilometer lang) und dort kein WLan habe. Nur über WLan kann ich über WhatsApp telefonieren.
Ich habe Ihre Bemerkungen über den Krieg in der Ukraine gelesen.
Ich ordne mich politisch weder links oder rechts ein – höchstens liberal. Ich hoffe sehr, dass ich das Geschehen auf Erden kritisch betrachte.
Ich lehne allerdings Ideologien ab, entschieden – sowohl in Religionen oder in der Politik.
Mit meiner Haltungen und meinem Denken wäre ich wahrscheinlich bei den Nazis im KZ gelandet, bei den Kommunisten im Gulag und früher – bei den Christen auf dem Scheiterhaufen gelandet … verbrannt oder geköpft. Allerdings weiß ich nicht, ob ich unter der Folter (bei den Christen) „gestanden“ oder (bei den Nazis / Kommunisten) unterschrieben hätte.
Ich habe seit Jahren die Geschichte der Ukraine beobachtet – auch, weil mein Vater in der Nähe von Minsk in der russischen Kriegsgefangenschaft war.
Ich habe seit Jahren die Geschichte der Ukraine beobachtet – auch, weil mein Vater in der Nähe von Minsk in der russischen Kriegsgefangenschaft war.
Mein Vater wurde als 18 Jähriger 1939 zur Wehrmacht eingezogen – war in Dänemark, Frankreich und Russland. 1944 – als 23jähriger Mann – wurde er in Russland verletzt – und kam ins Kriegsgefangenen-Lager.
Er erzählte mir immer, wie fürchterlich die Wehrmacht in Russland gewütet und gemordet hatte – etwas, was er in seiner russischen Gefangenschaft nie erlebt hatte. Mein Vater sprach nur immer sehr positiv über die Russen – nicht über die kommunistische Regierung.
Deshalb hat mich Weißrussland und die Ukraine immer interessiert. Vor allem die Ukraine, die als Staat um 1920 entstanden ist, dann einen Krieg mit Polen geführt hat, die Rote Armee zur Hilfe rief – und dann Sowjet-Republik wurde.
Die Nationalistische Bewegung in der Ukraine war im zweiten Weltkrieg mit Hitler-Deutschland verbündet, veranstaltete Juden-Pogrome - und die Ukraine stellte viele KZ-Wärter.
Mit diesen Erlebnissen und Gedanken im Kopf wurde ich kurz vor dem Abitur Kriegsverweigerer – begründete auch mit Gandhi.
Mohandas Karamchand Gandhi hatte um 1919, 1930 bis 1948 seinen „gewaltlosen Widerstand“ gegen die Kolonisatoren geführt – in diesem Fall die Engländer (Großbritannien) - und die Freiheit für Indien erreicht – ohne Bomben, Schießen, etc.
Gandhi wurde im Jahre 1948 von einem nationalistischen Inder erschossen.
Ähnlich hatten die Dänen gegen die Besatzung durch die Nazi-Deutschen seit 1940 gekämpft – mit „gewaltlosem Wiederstand“. Ohne Bomben, ohne Schießen, und ohne Tote.
Als die Nazi-Deutschen die dänischen Juden in deutsche KZs transportiert wollten, hatten die Dänen ihre Juden durch ihre kleinen Schiffe über die Ostsee in der Nacht nach Schweden transportiert.
Das ist mein VORBILD gegen Kriege.
Ukraine und Weißrussland waren immer Kern von Russland. Diese beiden Länder wurden Nationalstaaten - durch eine seltsame nationale Politik Stalins und Chruschtschows.
2014 gab es in der Ukraine einen nationalistischen Aufstand.
Ziel: Beitritt der Ukraine in NATO und EU. Dagegen hatte das politische Russland Widerstand geleistet – die politische Macht in der Russland wollte die Ukraine als neutrales Land und wirtschaftlich an Russland anbinden. Dieser Krieg begann 2014/2015 im Donbass und auf der Krim.
Seit 2014 haben Deutschland, Frankreich, Ukraine und Russland verhandelt. Ohne Ergebnis.
Zum Schluss – die letzten zwei Jahr bis heute - wurde zwischen USA und Russland verhandelt – auch ohne Ergebnis, weil die politische Macht in der Ukraine mit aller Macht in die EU und Nato wollte. Und Russland nicht.
Russland kündigte den Krieg an.
Jetzt haben wir einen Ukraine-Krieg, wie er seit Jahrzehnten von Weltmachten allüberall geführt wird:
USA in Korea, Vietnam, Irak, Iran, Chile, Syrien, Afghanistan oder Libyen.
Russland in Ungarn, Afghanistan, Tschechoslowakei , Afghanistan, Georgien, etc. - und jetzt Ukraine.
China in Korea, Tibet, Honkong, demnächst in Taiwan.
Die einfache Militär-Strategie bei all diesen Kriegen:
Erst Zerstörung der militärischen Infrastruktur, dann Bomben auf die größeren Städte und Infrastruktur Wasser, Industrie, Lebensmittel, Energie, etc., dann Vertreibung der Menschen – möglichst ins Ausland (dadurch ein instabiles Europa durch Millionen an Menschen).
Wir haben Weltmächte wie China, USA, Russland, vielleicht noch Europa und Indien – die untereinander in Konkurrenz stehen.
Weltmächte mit Atombomben.
Kleine Länder sollten mit diesen Weltmächten keine Kriege machen, sondern versuchen, mit Verhandlungen eine vernünftige Nachbarschaft zu erreichen. (siehe das römische Reich in der Antike).
Aber NEIN - wir haben jetzt in Ukraine seit vier Wochen Krieg.
Auch einen „Stellvertreter-Krieg“ zwischen Russland, USA (Europa) und eventuell China. Auch ein Wirtschaftskrieg.
Ist dieser Krieg nun eine Eroberung durch Russland, ist der Krieg eine Verteidigung der Ukraine?
NEIN.
Dieser Krieg ist pure Zerstörung – wie 1945 in Deutschland.
Der Schauspieler-Präsident der Ukraine sollte durch sein Handeln das Leben der Menschen (Soldaten und Bürger) im Land bewahren und beschützen – nicht durch sein nationalistisches Handeln seine Bürger durch Bomben, Schießen und Zerstörungen in einen Krieg jagen - täglich.
Dieser Präsident sollte - trotz Krieg - einen Frieden in seinem Land durch Verhandlungen erreichen - nicht das Gegenteil.
Kluge und vernünftige Militärs sagen – wir werden wahrscheinlich in der Ukraine über Monate hinweg ein „Afghanistan2“ oder „Syrien2“ haben. Auch durch die nationalistische Stimmungen in gewissen Medien Europas.
Was hat der christliche Glauben und die Kirchen zum Krieg zu sagen:
Jesus Christ – siehe die Bibel – hat nicht zum Krieg gegen die Besatzer aus dem „Römischem Reich“ aufgerufen.
Jüdische Partisanen hatten um 66 n. Chr. einen Aufstand gegen die römischen Besatzer aufgerufen - und 5.000 Soldaten getötet.
Kaiser Vespasian ließ 70 n. Chr. den Tempel in Jerusalem zerstören. Alle jüdischen "Terroristen“ hinrichten lassen.
Im jüdischen Aufstand von 132 bis 135 n. Chr. wurden tausende römische Soldaten getötet - Kaiser Hadrian ließ rund 500.000 Juden hinrichten oder umbringen - und der Kaiser hatte danach den Juden verboten, in Israel zu leben, arbeiten, etc. – in anderen Teilen des Römischen Reichs jedoch schon.
Das römische Reich hatte um 50 v. Chr. Gallien besetzt. Die Häuptlinge der Stämme Galliens machten blutige Aufstände gegen die Römer. Caesar hatte einen grausamen und erfolgreichen Krieg gegen Gallien geführt. Grausam und brutal diesen Krieg bezeichnen – das wäre eine Lüge. Die Elite Galliens wurde hingeschlachtet. Und das Volk Galliens musste sich den Besatzern beugen.
Allerdings: Frankreich ist heute stolz auf die römische Kultur in Gallien.
In Comics wird dieser Krieg zwischen Gallien und Caesar mit großem Humor betrachtet, gezeichnet und beschrieben (Asterix und Obelix).
Das heißt: die Gallier haben einen sinnlosen Krieg gegen Rom geführt – wie die Juden auch.
Das römische Reich hatte die verschiedenen Religionen der besetzten Völker akzeptiert.
Bis das Christentum Staatsreligion wurde. Dann wurden alle anderen Religionen im Reich verboten und verfolgt.
Die Haltung der katholischen Kirche gegenüber Kriegen verstehe ich heute überhaupt nicht – aber vielleicht hat die katholische Kirche das Jesus-Wort zu stark in den Hintergrund gesetzt – durch das viele Segnen von Schlachten und Waffen und durch die kriegerischen Päpsten. 2.000 Jahre christliche Traditionen sind eine lange Zeit und sehr verwirrend und gegensätzlich.
Zum Schluss:
„Das erste Opfer des Krieges ist die Wahrheit.“ … eine alte Journalistenweisheit.
Das gilt für die heutigen Kriege in Irak (über 600.000 Tote), Syrien oder Jemen … und jetzt auch für Russland und Ukraine.
Ob die Ukraine Mitglied der NATO und der EU wird - mich hat niemand gefragt - trotzdem: ich bin entschieden dagegen (aus der Geschichte). Die Ukraine sollte ein neutraler Staat sein - wie Österreich, Schweiz, Finnland oder Schweden. Russland ist eine Weltmacht – Ukraine ist dagegen ein kleines Land.
Der Krieg in Ukraine hätte vermieden können, wenn kluge Politiker die Friedens-Verhandlungen (zum Schluss: Russland und USA) führen … aber es waren nur nationalistische Politiker zu sehen, die offenbar Krieg wollten.
Bei einigen Boulevard-Journalisten als Kriegsberichter (vor allem in Deutschland) scheinen sich am Krieg aufgeilen - geilen sich auf an Bomben, Verwüstungen, Toten und Schießen - damit die Auflage stimmt. Sehr, sehr traurig.
Jetzt leiden die westlichen Staaten in Europa finanziell unter diesem Krieg, den sie nicht wollten.
Ich meine: Wir benötigen für unsere Wirtschaft das Gas, das Öl, die raren Bodenschätze aus Russland … und nicht nur wir … wer dagegen ist, der ist ein bösartiger Zerstörer unserer Wirtschaft.
Ich bin weder ein Politiker noch ein Militär. Gottseidank. Trotzdem fordere ich:
keine Waffen (aus den USA und Europa oder anderen Länder) für die Ukraine, das verlängert nur Kämpfe, keine Waffen verhindern Tote und Verwüstungen.
Notwendig ist, so meine ich:
Einstellungen der Kämpfe in der Ukraine, Niederlegen der Waffen, Verhandeln, Verhandeln, Verhandeln..
Bemerkung zum Krieg – einst von Erich Kästner:
Und als der nächste Krieg begann
da sagten die Frauen: Nein
und schlossen Bruder, Sohn und Mann
fest in der Wohnung ein.
Dann zogen sie in jedem Land
wohl vor des Hauptmanns Haus
und hielten Stöcke in der Hand
und holten die Kerls heraus.
Sie legten jeden über's Knie
der diesen Krieg befahl:
die Herren der Bank und Industrie,
den Minister und General.
Da brach so mancher Stock entzwei
und manches Großmaul schwieg.
In allen Ländern gab's Geschrei,
doch nirgends gab es Krieg.
Die Frauen gingen dann wieder nach Haus
zu Bruder und Sohn und Mann
und sagten ihnen: der Krieg sei aus.
Die Männer starrten zum Fenster hinaus
und sahen die Frauen nicht an...
Mit freundlichen Grüßen
Jürgen Dieter Ueckert
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