Pogrome in der Ukraine
Viele Pogrome in der Ukraine von 1917 bis 1921 wurden von den lokalen jüdischen Gemeinschaften mit schriftlichen Berichten, Fotos, und in Einzelfällen auch Filmaufnahmen sorgfältig dokumentiert.
Viele Juden sahen später vor allem Petljura als Hauptverantwortlichen für die Pogrome, die sie in den Kontext eines vermeintlichen jahrhundertealten ukrainischen Antisemitismus seit dem schrecklichen Pogrom im Zuge des Kosakenaufstandes unter dem Hetman Chmelnyzkyj im 17. Jahrhundert stellten. Petljura wurde 1926 im Exil in Paris von dem Juden Schwartzbard erschossen, der beteuerte er habe damit die Pogrome rächen wollen. Im Ergebnis des weltweite Aufmerksamkeit erregenden Strafprozesses wurde Schwartzbard schließlich frei gesprochen. Die sowjetische Propaganda nutzte den Fall, um das oftmals bis heute wirkmächtige Stereotyp des ukrainischen Nationalisten und Antisemiten in der internationalen Öffentlichkeit zu verbreiten.
Pogrome schufen Voraussetzungen für den Holocaust
Die Pogrome der Bürgerkriegszeit besaßen nach Ansicht der jüngeren Forschung viel weitreichendere Folgen als von Historikern bisher angenommen wurde. Nach Ansicht einiger Forscher stellten sie einen wichtigen Erfahrungshintergrund für den nationalsozialistischen Holocaust dar, der sich zwei Jahrzehnte später oftmals an den gleichen Orten ereignete, und schufen quasi die Voraussetzungen dafür, dass der Judenmord von der Bevölkerung als bekanntes Muster wahrgenommen wurde. Zugleich spielten die Pogromerfahrung und der zumeist erfahrene Schutz unter der Sowjetherrschaft auch eine zentrale Rolle für die Transformation der Juden in Sowjetbürger und ihre Haltung zur Sowjetmacht. Hier hat möglicherweise ein Wandel stattgefunden. Denn wie wir aus Wahlergebnissen wissen, hegten im Revolutionsjahr 1917 nur sehr wenige Juden Sympathien für die Bolschewiki. … 12.04.2028
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